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Bei Depressionen: Der Dialog mit dem Patienten beschert dem Gang zur Apotheke ein erhebendes Gefühl

In Wahrheit wird aber nicht daran gedacht dem Apotheker eine aktive Rolle während des Behandlungsprozesses zuzuweisen: Der Arzt entscheidet über die Anordnung von rezeptpflichtigen Medikamenten und der Apotheker hat seinen Rezepten lediglich Folge zu leisten.

Das bedeutet aber, dass man den Apotheker als einen reinen Erfüllungsgehilfen des Arztes zu sieht und dabei verkennt, dass er ein großes Reserve-Potential für die Behandlung von Depressionen sein kann.

Eine holländische Studie aus dem Jahre 2003 hat gezeigt, dass Patienten Ihre Antidepressiva regelmäßiger einnehmen, wenn der Apotheker aktiv in die Behandlung einbezogen ist.

Das ist besonders bedeutend, wenn man bedenkt, dass gerade bei der Behandlung von Depressionen die regelmäßige Einnahme von verschriebenen Medikamenten vernachlässigt wird.

Die Studie beinhaltete einen kontrollierten Versuch mit einer Nachuntersuchung nach drei Monaten. Nach dem Zufallsprinzip wurden jeweils 79 Patienten für die Kontrollgruppe ausgesucht; 69 Patienten für die Untersuchungsgruppe; und 19 teilnehmende Apotheker. Neben einem 25-minütigem Video, dass den Hintergrund von Depressionskrankheiten und die Auswirkungen von entsprechenden Medikamenten erklärte, unterstützte die Apotheker-Gruppe die Untersuchungsgruppe mit drei „Beratern.“

Während der Nachuntersuchung zeigten die Patienten eine wesentlich verbesserte Einstellung zur Medikamenteneinnahme und Aufgeklärtheit gegenüber dem Behandlungsprozess.

Die holländische Studie wird durch eine US-Studie aus Massachusetts aus den Jahren 1998 bis 2000 bestätigt. In dieser Studie arbeitete der Apotheker in enger Verbindung mit dem Behandlungsleiter und dem Patienten zusammen. Dabei unterstützte er sie aktiv bei der Medikamenten-Auswahl, der Anwendungsdosis und Anwendungsdauer.

Als Folge dieser Konsultationen zeigte die untersuchte Gruppe eine Medikamenteneinnahme von 57.5% gegenüber 46,2% in der Kontrollgruppe.

Wie bereits in der holländischen Studie aufgezeigt worden war, ließen auch diese Studien ein eindeutig positives Fazit im Hinblick auf die Einbindung eines Apothekers in die Behandlung von Depressionen zu.

Jeffrey Hauptman, ein New Yorker Apotheker, ist der Meinung, dass die holländische Studie hintergründig gezeigt hat, wie die Beziehung Patient-Apotheker aussehen könnte und aussehen sollte. Nicht zuletzt kann auch ein Apotheker ungeachtet der Situation zuhören, unterstützen, trösten und seinen Rat als Experte geben.

Laut Herrn Hauptman ist die Einbindung des Apothekers außerdem wichtig, weil „die meisten Leute keine Fragen stellen, denn Sie sind während des Verschreibungsprozesses sehr verunsichert und die meisten Ärzte haben oder nehmen sich nicht die Zeit die erforderliche Beratung durchzuführen.“

Wie die US-Studie gezeigt hat verbrachten nach der Diagnose mehr Patienten Zeit bei ihrem Apotheker, als bei ihrem Arzt.

In Anbetracht der derzeitigen Unsicherheit rund um das Thema “Anti-Depressiva” und dem verbleibenden Stigma der Depression als Krankheit kann der Rat eines Apothekers im Hinblick auf Trost und einer möglichen Erwartungshaltung durchaus hilfreich sein, um die Lage eines Depressions-Patienten zu stabilisieren.

Tatsächlich stellte sich bei der Massachusetts Studie heraus, dass die Patienten in der von Apothekern betreuten Gruppe die Hälfe ihrer Zeit damit verbrachten sich über die richtige Einnahme von Antidepressiva zu unterhalten. 85% der Apotheker verbrachten dabei ihre Zeit mit genereller Unterstützung des Patienten.

Herr Hauptmann meint dazu, dass eine unkooperative Haltung des Patienten „ein großes Problem“ darstellt.

Durch die Betonung von Vertrauen und Unterstützung zwischen Patient und Apotheker empfiehlt es sich, dass der Arzt eine klare Aufklärung über Anti-Depressiva durchführen sollte. Wie es bereits in einer Studie heißt: „eine gute Kommunikation des Arztes erkennt man an einem positiv gestimmten Patienten, [aber] das beinhaltet zur Zeit nicht die Richtlinien für die Behandlung von Depressionen.“

Viel herausragender dabei ist, dass das Verständnis der Behandlung von Depressionen als ein Gesamtbild verstanden wird in dem der Apotheker eine größere Rolle spielt anstatt einer isolierten Therapie, die ihren Anfang beim Arzt und ihr Ende beim Psychiater findet. Durch die Einbindung des Apothekers erlangen Patienten eine bessere Betreuung – die nötige Aufmerksamkeit beginnt und endet nicht erst mit den regelmäßigen Arztbesuchen.